Der Fürst lässt angeln

Sanft wippt der Schwimmer auf dem Wasser. Jetzt, gegen Abend, bewegt eine Brise die Oberfläche. Ich sitze seit etwa zwei Stunden hier und starre auf den Punkt, an dem die Angelschnur das Wasser berührt. Langsam treibt der Schwimmer zum Steg. Wenn er neben mir ankommt, hole ich die Leine ein, kontrolliere, ob der Köder noch am Haken hängt und werfe erneut aus. Dorthin, wo ich die dicken Fische vermute. Die kleinen und die etwas größeren knabbern am Köder. Hin und wieder schwimmt ein großer vorbei, nur um gleich wieder in der Dunkelheit des kleinen Sees zu verschwinden. Fast scheint es, als würden sie gelangweilt am Köder vorbeistreifen. Hungrig scheinen sie jedenfalls nicht zu sein.
Der Almsee liegt auf dem Grund der Schwarzenbergs – jener Adelsfamilie, die in der österreichischen Politik bis 1918 eine bedeutende Rolle spielte und deren derzeitiges Oberhaupt in Tschechien vor einigen Jahre den Außenminister stellte. Dort bekam die Familie nach 1991 den Großteil ihrer zuvor verstaatlichten Ländereien und Besitztümer zurück. In den steirischen Bergen ist die Welt ohnehin in Ordnung: dem Schwarzenberg gehört der Grund, ein Pächter vermietet weiter. Angeln darf man hier nicht – es sei denn man weilt als zahlender Gast in der um gutes Geld vermieteten Hütte, die nur wenige Gehminuten von dem kleinen See entfernt ist. Brennholz und Fische – sofern man welche fängt – kosten extra. Die Allmende existiert nicht einmal für zahlende Urlauber:innen.
Ich starre, gleichermaßen gespannt und entspannt, auf den Schwimmer. Er bewegt sich, sinkt ab und hüpft wieder höher. Knapp unter der Wasseroberfläche sehe ich die Schemen von ein paar mittelgroßen Fischen: Forellen, Saiblinge, Karpfen. Keiner beißt an.
(Murau/sl)