Subbotnik im Neubau

Samstagnacht ist die 122 überlastet. Daher pflügt die Bodybuilder-Glatze von Stiege 2 einen Schwall in Richtung Treppe. Der Russe aus 306 versucht angestrengt, den See aus seiner Wohnung und von Kind und schwangerer Frau weg zu kriegen. Er hat einen Damm aus Fetzen und Handtüchern gebaut. Hier kam das meiste Nass rein. Sogar der Wirt aus 307 läuft im Lakers-Dress den Gang auf und ab. Fegt Liter um Liter von uns und den Nachbartüren weg. 307 ist eigentlich ein Eigenbrötler.
Die Glatze weist uns an, eine Kette zu bilden. Wie Herakles in den Ställen des Augias lenkt er ganze Bäche aus den Lagerräumen unseres Stocks in den Flur. Ich schiebe sie weiter Richtung Lift, der endlich mal einen Grund für einen Defekt hat. „Der Asiate“ (307, O-Ton Herakles) nimmt an, gibt an den Banker mit der Gartenwohnung weiter. Letzterer schickt sie die Stufen hinab. Der Wiener Inder von Stiege 1 rennt mit einem Mopp herum. Irgendwann kommt Martin aus dem Dachgeschoss hinzu, eben erst vom Moped-Unfall erholt. 306 schaufelt mit einem Kehrblech. So sauber wars da noch nie. „Den Trick verraten wir aber nicht der Hausverwaltung!“, witzelt der Halbgott.
Der Regen drang durchs Zwischengeschoss unseres Penzinger Neubaus ein. Und ergoss sich in Strömen bis in die Tiefgarage. Feuchte Fäden ziehen sich da jetzt von der Decke zum Boden. Eine senkrechte Kante ist aufgeweicht, gelb.
Drei Pools später stehen der Schwiegersohn von 307, der Nachbar aus 303 – er trat vorm Schlafengehen in eine Vorzimmer-Lacke –, Martin inklusive Sippe und ich in der Tiefgarage. Die Sippe war im Kino, einer verteilt Bier. Martins Frau schenkt mir Nachos mit Salsa. „Wieder so‘n Pfusch“, kommentiert er, und alle nicken wissend. Kichern. Wie uns die Hausverwaltung wohl diesmal vertrösten wird? Sonntag sollte es wieder regnen.
(Wien/zs)