„Die Frauen haben es in der Hand“

Freundlich blinzeln die beiden älteren Frauen in die Vormittagssonne. Sie tragen rosa und lila Strickhauben. Tag für Tag sitzen sie hier – nicht immer Susanna und Maria, die heute hier sind. Aber jede Woche montags bis freitags sitzen am Deserteursdenkmal am Ballhausplatz zwei ältere Frauen mit einem Transparent. Seit anderthalb Jahren fordern die „Omas gegen Rechts“ bei ihrem stillen, aber sichtbaren Protest mit Blick auf das Bundeskanzleramt, Menschen aus Flüchtlingslagern wie jenen auf Lesbos aufzunehmen. Bei jedem Wetter sitzen sie hier – solange, „bis sich die Flüchtlingspolitik ändert“, sagt Susanna. Maria, die das etwa drei Meter lange Banner an der anderen Seite hält, nickt.
Reaktionen gebe es selten, und diese seien unterschiedlich. „Heute waren die Polizisten, die jeden Tag die Daten aufnehmen, recht freundlich“, erzählt Susanna. Manchmal schauen auch Mitglieder der mitregierenden Grünen vorbei und bekunden Unterstützung. „Aber politisch ändern sie nichts.“
Obwohl ihre Aktionen – die „Omas“ organisieren auch Singaktionen auf Märkten und Mahnwachen vor dem Parlament – noch zu wenig bewirkt haben, sind die beiden nicht frustriert. „Ich wollte nicht immer nur zuhause sitzen und mit Bekannten über solche Dinge reden“, sagt Maria, „sondern einen Beitrag leisten“. Mehrmals im Monat hier zu sein, sei „eine Möglichkeit Widerstand zu leisten“ gegen Ungerechtigkeit, so Susanna. Außerdem sei es eine schöne Erfahrung, Solidarität von anderen zu bekommen. Das Wagerl mit ihren Materialien etwa lagern die „Omas gegen Rechts“ beim Portier des Burgtheaters. Anders wäre die permanente Mahnwache logistisch kaum zu bewerkstelligen.
Was ist eigentlich eine „Oma“? Susanna lacht: „Enkelkinder muss man nicht haben“. Die meisten Beteiligten seien aber ältere Frauen. „Ein paar Opas sind auch dabei. Aber die Frauen haben es schon in der Hand“, sagt sie. „Wie so oft“, ergänzt Maria.
(Wien/sl)