Eine riesige Badeente

Vor zwei Jahren hätte die Menge für den Anlass mickrig gewirkt. Am ersten Freitag im März wird einem dagegen mulmig. „Rein statistisch sind da schon ein paar Infizierte dabei“, schmunzelt Kollegin K. Tausende gut gelaunte Teenies pilgern von der Hauptbücherei zur Bildungsmesse BeSt³. Vor der Stadthalle verteilen Fundis Bibeltexte und die KJÖ ihr Magazin. „Kann ich einen Ausweis zum Impfpass sehen?“, fragt ein Security. Eine Jugendliche fürchtet, ohne nicht reinzukommen. Ihr Betreuer bürgt für sie. Die Szene wiederholt sich innert Sekunden vielfach.
Militärstreifen bahnen sich den Weg. Das Heer ist nicht im Assistenzeinsatz, sondern selbst Aussteller. Im Foyer markiert eine riesige Badeente den Infostand von FM4.
Kollegin S. hätte gerne den berufsbegleitenden Meister als Glaserin. Die Frau am AMS-Stand stapft mit ihr rüber zum „Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds“ und schimpft, „die haben auch keine Ahnung“. Sprachreiseveranstalter verteilen Werbegeschenke. Eine Gelfrisur lockt mit einem Gewinnspiel: „Zwei Wochen Miami gefällig?“ Schon, aber mich fragt Schlecki gar nicht.
Die Buffets sind dicht. Die Bäckerin bei der U-Bahn flirtet mit mir und vergisst glatt meine Osterpinze. Zurück in der Stadthalle laufe ich H. über den Weg. Er ist etwas dicker geworden, seit ich ihn das letzte Mal sah. Das war lange vor Corona. H. kommt hinterm Stand seiner Kunstuni hervor, wir herzen einander. Von Facebook weiß ich, dass er neulich mit Covid in der Türkei festhing. Wie das war?
„Da musst halt nachts zum Brunnen, Wasserholen bei 15 Grad minus. Und wennst in der Früh wieder gehst, wird dir ganz anders, weil da plötzlich Bärenspuren im Schnee sind.“
Und dann ist noch Platz für Frühjahrsromantik. Ein Schützling von S. hat sich nach einer Stunde Schmachten von den anderen anstacheln lassen. Also geht er rüber zu der großen Blonden, plaudert mit ihr und checkt sich ihre Nummer.
(Wien/zs)