Hahn im Korb

Im Herrgottswinkel eines Pfarrkindergartens schreit Angelo nach seiner Mutter. Sie ist eben weg, obwohl er erst am Anfang seiner Eingewöhnungsphase steht. Deshalb muss sein Bruder, der gerade mal fünf Jahre alte Cetin, zum Kleinen eilen, um ihn zu trösten. Beide Buben sind komplett überfordert. Welcher Chef ist in der Pandemie derart fies, dass eine Mutter nicht bei der Eingewöhnung bleiben kann? Oder hat sie es sich so ausgesucht? Und was macht der Vater? Einen noch unflexibleren Job? Hackelt er schwarz oder in der Nacht? Ist es ihm egal? Liegt er im Spital oder am Zentralfriedhof? Wegen Covid?
Beim Elternabend fehlt er auch. Ich bin der einzige Mann. Alle tragen FFP-2-Maske. „Am besten sind zwei Nachweise“, sagt die Erzieherin und so zeige ich am Diensthandy den Grünen Pass vor und am privaten den aktuellen Gurgeltest.
Fein, ein Katholer-Kindergarten – aber nicht mal zum Elternabend kommen die Väter Anno Domini 2022? Bei den Sozen war das anders. Ich suche noch mehr Unterschiede. Die meisten Frauen sind blond. Nicht Geschäft-mit-der-Liebe-Blond, sondern Bauer-sucht-Frau-Blond. Herein tritt eine Walküre, die vom Hort-Elternabend kommt und mich mit dem kleinen Finger meier machen könnte. Sie ist vom Haarton her Xena: Warrior Princess, was mich ehrlich überrascht. Ihre Tochter sei ein „typisches Mädchen“, mit Kleid und Tüll und all dem Zeugs.
Aus dem Telefon der einzigen Frau mit Kopftuch dröhnt eine Männerstimme. Könnte ein Muezzin oder Troubadix sein. Ein paar Švabicas kichern, ich hingegen freue mich übers Gejodel. Es wirkt fast heimelig. Ob ich in die WhatsApp-Gruppe will? „Wir nehmen gerne auch Männer!“, lacht eine. Danke, ich lese bei meiner Partnerin mit.
(Wien/zs)