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Am oberen Rand

Den stadtauswärts gelegenen Ausgang der U1-Endstation Leopoldau nimmt fast niemand. Dort draußen gibt es auch wenig, wohin man sich wenden könnte. Rechterhand stehen hier, am oberen Rand Wiens, die letzten Ausläufer einer der nördlichsten Gemeindebausiedlungen der Stadt. Dann ist es aus.
Hinter der U-Bahnstation führen Betonstiegen zu einer Durchzugsstraße hinauf. Auf der anderen Seite beginnt nach wenigen Metern bereits Niederösterreich. Dort stehen ein paar Häuser an der Straße und schauen sehnsüchtig nach Wien herüber. Ein stetiger Strom an Autos zieht auf der Straße vorbei. Einige wenige biegen zum Park+Ride Leopoldau ab. Nur 4,10 € pro Tag.
Menschen sind kaum zu sehen, aber auffällig viele Aludosen glitzern auf den Grünflächen rund um die Station in der Vorfrühlingssonne. Alle hier draußen scheinen sich mit einem Energydrink für die lange U-Bahnfahrt ins Zentrum zu wappnen.
Der zweite Stationsausgang ist der Stadt zugewandt – und gibt sich auch städtischer: Menschen, die zu Zügen eilen, eine Trafik, eine Bäckereikettenfiliale, eine Kebapbude, ein Akkordeonspieler. Dieses Ende der Station kann von zwei Seiten betreten werden. Geht man von der Gemeindebauseite hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus, findet man sich am Rand einer Einfamilienhaussiedlung wieder. Als habe sich Niederösterreich über die Stadtgrenze herübergemogelt.
(Wien/sl)

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