„Die wollen es aussitzen“

Er mache zum ersten Mal „so etwas Aktivistisches“, erzählt ein etwa Zwanzigjähriger. Dabei habe er viel gelernt. Unabhängig davon, wie die Besetzung weitergehen werde, haben er und viele andere sich Wissen angeeignet, das sie auch in Zukunft nutzen werden. Ein anderer Mann und zwei Frauen, die bei uns stehen, nicken. Der Infopoint des angemeldeten Protestcamps gegen das Lobau-Straßenprojekt ist ständig besetzt. Hier, gleich neben dem Schloßpark Hirschstetten, werden alle freundlich begrüßt, die sich an der Besetzung der Baustellen beteiligen oder sich einfach mal umsehen wollen. Die vier Besetzer:innen erzählen von den Erfahrungen und Erlebnissen der vergangenen Wochen. Wie die Leute bei der Hausfeldstraße berichten sie, dass immer wieder Bewohner:innen der neben dem Park liegenden Siedlung vorbeikommen. „Denen bauen sie die Straße direkt vor die Nase“, sagt der zweite Mann. Eine Bürgerinitiative, die schon seit zehn Jahren gegen die Straßenbaupläne kämpfe, fühle sich durch die Besetzungen bestätigt. Die in der Nähe liegende Pfarre unterstütze das Protestcamp ebenfalls, erzählen die vier. Ansonsten solle ich mich doch einfach ein bisschen umsehen und halt beim Fotografieren aufpassen, dass keine Menschen erkennbar seien.
Als ich ein paar Minuten später ein Foto mache, fragt mich einer der Protestcamper, den ich zuvor noch nicht gesehen habe, was ich da mache. Skeptische Vorsicht schwingt in seiner Frage mit. Öffentlichkeit für den Protest ist natürlich willkommen. Doch die Besetzer:innen wollen einen Überblick darüber behalten, wer sich im Camp so herumtreibt. Immerhin behindern die Aktivist:innen hier ein milliardenschweres Bauprojekt. Seitens Behörden und Politik ist es auffällig ruhig geworden. „Die wollen es einfach aussitzen“, erklärt einer der Besetzer, „die denken: wenn es kalt wird, löst sich das Problem von selbst.“
(Wien/sl)