Einflugschneise

Im ersten Lockdown war das lauteste Geräusch das Rauschen in einem Gebüsch bei der Gassirunde. Es sind nicht nur die Blätter, sondern auch die Spatzen, die dort fröhliche Urständ feiern. Wenn die Spatzen nicht zwitschern, gurren Tauben und greinen Krähen am Weg. Autos sieht man kaum, die Bim hat ihre Intervalle verdünnt. Es fliegt auch kein einziges Flugzeug über unseren Bezirk, der in der Einflugschneise von Schwechat liegt.
Das fällt nach dem dritten Lockdown richtig auf, als die Flieger langsam, aber sicher zu ihrem gewohnten Takt zurückkehren. Vielleicht ist das eine Condor, die nächste fix eine Eurowings. Die Gassirunde ist jetzt der Weg zum neuen Kindergarten, und die Maschinen zischen fast im Minutentakt über uns hinweg. Ich bin es nicht mehr gewohnt, so laut zu reden.
Im Sommer reiste ich mit Junior nach Frankfurt auf Familienbesuch. Der Kleine fragt jetzt, ob diese oder jene oder die nächste Kiste nach Frankfurt geht. Oder kommt der Jet gerade aus Belgrad? Da wollten wir übers lange Wochenende hin. Aber in Serbien sind Esoterik und Politikverdrossenheit weit verbreitet. Nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen waren geimpft, die Infektionszahlen stiegen rasant. Wie viele Biohendln kann ich mir um die ersparten Tickets leisten?
Bei Tauben erstarrt Junior, will nicht weiter. Ich muss sie theatralisch verjagen. Nachdem ich ihn im Kindergarten abgegeben habe, zieht eine Maschine über mir grob nach Westen.
Ein Bekannter hob kurz vor Lockdown 4 nach Spanien ab. Im Ausland verstünden sie nicht, wie man so eine Meise wie bei uns haben kann, postet der Südtiroler sinngemäß. Ich lächle. Stelle mir vor, wie er mit Frau und Kind die Rambla entlanggeht – während ich mir mit der maskenlosen Blöd-Bibo die Bim teile.
(Wien/zs)